Fieber bei Kleinkindern: Wann wird es gefährlich und was tun?

Ein entzündetes Immunsystem, das gegen Viren und Bakterien kämpft - das ist im Grunde Fieber. Für Eltern von Kleinkindern ist das aber oft ein Grund zur Sorge. Die Frage, ab wann wird Fieber gefährlich bei Kleinkindern, beschäftigt viele und ist absolut berechtigt. Denn während leichtes Fieber oft ein Zeichen dafür ist, dass der Körper seines Jobs nachgeht, gibt es durchaus Grenzwerte und Situationen, bei denen schnelles Handeln gefragt ist. Es ist kein Hexenwerk, die Zeichen zu erkennen, und mit der richtigen Information sind Sie bestens gerüstet.

Manchmal scheint es, als würde sich der kleine Körper schon bei geringsten Anzeichen einer Erkältung aufheizen. Doch nicht jede Erhöhung der Körpertemperatur ist gleich ein Alarmsignal. Es kommt auf die Höhe des Fiebers, das Alter des Kindes und weitere Symptome an. Dieser Artikel soll Ihnen die nötige Klarheit verschaffen, wann Sie als Eltern aufmerksam werden sollten und welche Schritte Sie ergreifen können, um Ihrem Nachwuchs zu helfen. Denn ein wachsames Auge und fundiertes Wissen sind die besten Begleiter in solchen Momenten.

Die Sorge ist verständlich. Wir möchten Ihnen Ängste nehmen und gleichzeitig aufzeigen, wann eine ärztliche Abklärung unumgänglich ist. Denn die Gesundheit Ihres Kindes steht an erster Stelle, und hier geht es darum, die feinen Nuancen zwischen harmloser Erwärmung und ernsthafter Bedrohung zu verstehen. Keine Panik, sondern fundierte Vorsorge ist das Motto!

Wann ist Fieber bei Kleinkindern ein Grund zur Sorge? Die entscheidenden Grenzwerte

Die magische Zahl, ab der Fieber als kritisch eingestuft werden kann, variiert leicht je nach Quelle und ist stark vom Alter des Kindes abhängig. Grundsätzlich gilt: Bei Säuglingen unter drei Monaten ist bereits eine rektal gemessene Temperatur von 38°C oder höher ein Grund, sofort einen Arzt zu konsultieren. Der Grund dafür ist, dass Säuglinge in diesem Alter noch keine spezifische Immunantwort aufbauen können und Infektionen schnell lebensbedrohlich werden können. Die Vorsicht ist hier oberstes Gebot, da die Symptome oft unspezifisch sind und eine ernste bakterielle Infektion wie eine Blutvergiftung dahinterstecken könnte. Die Erfahrungswerte von Kinderärzten wie Prof. Dr. med. Berivan Sancar vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf unterstreichen die Notwendigkeit dieser frühen Abklärung.

Für ältere Kleinkinder, also ab drei Monaten bis zum Alter von drei Jahren, verschieben sich die Grenzen. Fieber über 38,5°C rektal gemessen sollte beobachtet werden. Kritisch wird es meist ab einer rektalen Temperatur von 39°C bis 39,5°C. Hier ist es ratsam, die Situation genauer zu beobachten und eventuell fiebersenkende Mittel nach ärztlicher Absprache zu verabreichen. Die rektale Messung gilt als die genaueste Methode, insbesondere bei kleineren Kindern, da sie am wenigsten durch äußere Einflüsse beeinflusst wird. Die Körperkerntemperatur gibt das verlässlichste Bild des tatsächlichen Zustands.

Wichtig ist jedoch nicht nur die absolute Temperaturhöhe, sondern auch die Entwicklung. Fieber, das plötzlich und sehr hoch ansteigt, oder Fieber, das über mehrere Tage anhält und bei dem das Kind sehr apathisch wirkt, sind immer ernste Anzeichen, die eine ärztliche Untersuchung erfordern, unabhängig von der exakten Gradzahl. Die Gesamtverfassung des Kindes ist oft aussagekräftiger als ein einzelner Messwert. Achten Sie auf die Zeichen, die Ihnen Ihr Kind gibt.

Begleitsymptome: Mehr als nur Hitze

Die reine Körpertemperatur erzählt oft nur einen Teil der Geschichte. Viel wichtiger für die Einschätzung, ob Fieber gefährlich wird, sind die Begleitsymptome, die Ihr Kind zeigt. Wenn Ihr Kleinkind trotz Fiebers munter ist, trinkt, spielt und neugierig auf seine Umgebung reagiert, ist das in der Regel ein gutes Zeichen. Dann handelt es sich wahrscheinlich um eine harmlose Infektion, bei der das Immunsystem seine Arbeit tut. Hier gilt es, das Kind zu beobachten, ihm Ruhe zu gönnen und ausreichend Flüssigkeit anzubieten. Achten Sie auf die typischen Anzeichen einer aufkommenden Erkältung, wie Schnupfen oder Husten, die oft mit dem Fieber einhergehen.

Kritisch wird es, wenn das Fieber von deutlichen Verhaltensänderungen begleitet wird. Lethargie, extreme Schläfrigkeit, Teilnahmslosigkeit oder ein stark verändertes Trinkverhalten sind ernstzunehmende Warnsignale. Wenn Ihr Kind schlecht trinkt, übermäßig weint, schlecht Luft bekommt, Hautausschläge entwickelt, steife Nackenmuskulatur zeigt oder gar Krampfanfälle erleidet - dann ist höchste Eile geboten. Solche Symptome können auf schwerwiegendere Erkrankungen wie eine Hirnhautentzündung oder eine Lungenentzündung hinweisen, die sofortige ärztliche Behandlung erfordern. Diese Zeichen sollten Sie niemals ignorieren.

Auch Erbrechen und Durchfall in Kombination mit hohem Fieber können eine Gefahr darstellen, da sie zu Dehydration führen können. Gerade bei sehr kleinen Kindern ist die Flüssigkeitsbilanz entscheidend. Achten Sie auf trockene Windeln, eingesunkene Augen oder eine trockene Zunge. In solchen Fällen ist eine ärztliche Beratung unerlässlich, um den Flüssigkeitshaushalt zu sichern und die Ursache der Infektion abzuklären. Die Expertise von Organisationen wie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) betont die Wichtigkeit der klinischen Beobachtung.

Was tun bei Fieber? Erste Hilfe für zu Hause und wann der Arzt gerufen werden muss

Wenn Ihr Kleinkind Fieber entwickelt, ist kühlen oft die erste Maßnahme, die vielen Eltern einfällt. Doch Vorsicht: Bei sehr kleinen Kindern oder bei Schüttelfrost sind kalte Wickel kontraproduktiv, da sie die Körpertemperatur weiter erhöhen können. Sanftes Lüften des Raumes, leichtere Kleidung und die Gabe von ausreichend Flüssigkeit (Muttermilch, Wasser, Tee) sind in der Regel die ersten und wichtigsten Schritte. Das Ziel ist es, das Kind zu unterstützen und ihm beim Kampf gegen die Infektion zu helfen. Achten Sie auf die Körpertemperatur, aber stressen Sie sich nicht bei jeder kleinen Schwankung. Vertrauen Sie Ihrem Gefühl und der Beobachtung Ihres Kindes.

Fiebersenkende Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen sollten nur nach Rücksprache mit einem Kinderarzt oder Apotheker verabreicht werden. Die Dosierung ist entscheidend und richtet sich nach dem Körpergewicht des Kindes. Die Gabe erfolgt in der Regel nur bei Temperaturen über 39°C und wenn das Kind sichtlich darunter leidet. Es ist wichtig zu wissen, dass Fiebersenker die Ursache der Infektion nicht bekämpfen, sondern nur die Symptome lindern. Sie sollten nicht präventiv eingesetzt werden. Die Empfehlungen der Bundesärztekammer zur Behandlung von Fieber bei Kindern bieten hier eine gute Orientierung.

Der Gang zum Arzt ist unvermeidlich, wenn das Fieber bei Säuglingen unter drei Monaten über 38°C liegt, bei älteren Kindern über 39,5°C anhält oder sich nicht durch fiebersenkende Mittel beeinflussen lässt. Ebenso sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen, wenn Ihr Kind apathisch wirkt, schlecht trinkt, Atemnot hat, Hautausschläge zeigt, Krampfanfälle erleidet oder wenn Sie sich als Eltern unsicher sind oder die Situation als besorgnyserregend einschätzen. Zögern Sie nicht, den Kinderärztlichen Notdienst (116117 in Deutschland) oder den Notruf (112) zu wählen, wenn Sie akute Gefahr vermuten. Ihre Intuition ist oft richtig.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wann ist Fieber bei meinem Kleinkind definitiv gefährlich?
Bei Säuglingen unter 3 Monaten ist bereits jede Temperatur über 38°C rektal ein Notfall. Bei älteren Kleinkindern ab 3 Monaten wird Fieber über 39,5°C rektal gemessen, besonders wenn es mit starken Begleitsymptomen wie Apathie, schlecht trinken oder Atemnot einhergeht, als gefährlich eingestuft.
Sollte ich Fieber bei meinem Baby immer messen?
Bei Säuglingen unter drei Monaten ist eine rektale Messung bei Verdacht auf Fieber unerlässlich. Bei älteren Kindern genügt es oft, die Temperatur durch Ertasten der Stirn oder des Nackens grob einzuschätzen und nur bei Unsicherheit oder starken Krankheitssymptomen exakt zu messen. Die rektale Messung bleibt jedoch die genaueste.
Welche Hausmittel helfen bei Fieber neben Medikamenten?
Ausreichend Flüssigkeit ist das A und O. Bieten Sie Ihrem Kind Wasser, ungesüßten Tee oder Muttermilch/Flaschennahrung an. Sorgen Sie für Ruhe und tragen Sie lockere Kleidung. Vermeiden Sie Wadenwickel bei Schüttelfrost oder sehr kleinen Kindern. Erst bei hohem Fieber und Leidend des Kindes sollte fiebersenkende Medikation nach ärztlicher Rücksprache erwogen werden.

Quellen und weitere Informationen:

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