Fliegen mit Nasennebenhöhlenentzündung: Ein Leitfaden für sicheres Reisen

Ah, die verflixte Sinusitis! Kaum hat man den lang ersehnten Urlaub gebucht, schlägt sie zu. Und dann kommt die nagende Frage: Darf ich überhaupt ins Flugzeug steigen, wenn meine Nebenhöhlen rebellieren? Die Antwort ist, wie so oft im Leben, nicht ganz einfach. Aber keine Sorge, wir tauchen tief in das Thema ein, beleuchten die Risiken, zeigen Lösungsansätze auf und geben dir handfeste Tipps, damit dein Flug trotz entzündeter Nasennebenhöhlen so angenehm wie möglich wird. Denn wer will schon im Urlaub gleich mit pochenden Schmerzen beginnen?

Die gute Nachricht zuerst: Viele Menschen können auch mit einer leichten Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) fliegen, ohne größere Probleme zu bekommen. Entscheidend ist jedoch, die Symptome ernst zu nehmen und sich nicht über die eigenen Grenzen hinwegzusetzen. Ein Flug kann die Beschwerden einer Sinusitis nämlich erheblich verschlimmern und im schlimmsten Fall zu Komplikationen führen. Die Druckunterschiede während des Starts und der Landung sind hierbei der Hauptakteur, der für schmerzhafte Überraschungen sorgen kann.

Warum Druckunterschiede bei Sinusitis zum Problem werden

Stell dir deine Nebenhöhlen wie kleine Höhlen vor, die durch winzige Gänge mit der Nasenhöhle verbunden sind. Bei einer Entzündung sind diese Gänge oft geschwollen und verstopft. Das bedeutet, dass die Luft, die sich normalerweise frei bewegen kann, eingesperrt ist. Im Flugzeug spielt sich nun eine faszinierende (und potenziell schmerzhafte) Physik ab: Während des Aufstiegs sinkt der Luftdruck in der Kabine, und die eingeschlossene Luft in den Nebenhöhlen dehnt sich aus. Das kann zu einem unangenehmen Druckgefühl führen. Weitaus kritischer ist jedoch die Landung. Hier steigt der Kabinendruck wieder an, und die Luft in den Nebenhöhlen wird komprimiert. Ist der Belüftungsgang blockiert, kann dieser Druck nicht entweichen, was zu starken Schmerzen führen kann, bis hin zu einem Barotrauma - einer Schädigung des Gewebes durch den Druck. Dieses Phänomen ist auch als "Fliegerohr" bekannt, kann aber eben auch die Nebenhöhlen betreffen.

Die Intensität der Schmerzen hängt stark vom Ausmaß der Entzündung und der Verstopfung der Gänge ab. Bei einer leichten Erkältung, die auch die Nebenhöhlen leicht betroffen hat, mag das Risiko überschaubar sein. Ist die Sinusitis jedoch akut und mit starken Schleimansammlungen oder gar Eiter verbunden, wird das Fliegen schnell zu einer Tortur. Die Schmerzen können von dumpf und drückend bis hin zu stechend und unerträglich reichen. Nicht selten berichten Betroffene von Kopfschmerzen, die sich im Gesichtsbereich konzentrieren, und einem allgemeinen Krankheitsgefühl, das den Fluggenuss massiv trübt.

Es ist daher unerlässlich, den eigenen Körper zu befragen. Fühlst du dich fit genug? Sind die Schmerzen beherrschbar? Oder spürst du bereits ein starkes Druckgefühl in den Wangen oder über den Augen? Im Zweifel gilt: Lieber eine Flugreise verschieben oder umbuchen, als sich unnötigen Risiken auszusetzen und den Urlaub mit einem medizinischen Notfall zu beginnen. Die Gesundheit steht an erster Stelle, und ein paar Tage Verschiebung sind besser als tagelange Schmerzen im Ausland.

Wann du das Fliegen lieber meiden solltest

Ein klares "Nein" zum Flugzeug gilt bei einer akuten, symptomatischen Sinusitis. Das bedeutet: Du hast starke Schmerzen im Gesicht, fühlst dich allgemein krank, hast Fieber oder es fließt gelblich-grünes Sekret aus der Nase. In diesen Fällen ist es ratsam, den Flug zu verschieben, bis die Symptome deutlich abgeklungen sind. Ein Arztbesuch ist in solchen Situationen dringend anzuraten, um die richtige Diagnose zu stellen und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO-KHC) betont in ihren Leitlinien die Wichtigkeit einer adäquaten Therapie von Sinusitis, um Sekundärerkrankungen zu vermeiden.

Auch bei einer chronischen Sinusitis, die zwar oft weniger schmerzhaft ist, aber dennoch zu wiederkehrenden Entzündungen führt, ist Vorsicht geboten. Hier solltest du mit deinem behandelnden HNO-Arzt sprechen. Er kann beurteilen, ob dein individuelles Risiko für Probleme während des Fluges erhöht ist und dir gegebenenfalls spezielle Empfehlungen geben oder Medikamente verschreiben, die helfen können, die Beschwerden zu lindern. Die Lunge und die Atemwege spielen hier eine wichtige Rolle, da eine gut belüftete Nasenhöhle auch dem unteren Atemwegstrakt zugutekommt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die generelle Verfassung. Bist du müde, gestresst oder hast du bereits andere gesundheitliche Probleme? In solchen Fällen kann eine ohnehin schon gereizte Nasennebenhöhle noch empfindlicher auf die Belastungen eines Fluges reagieren. Ein erfahrener Mediziner, wie etwa ein Facharzt für Innere Medizin oder ein spezialisierter Pneumologe, könnte ebenfalls bei der Einschätzung deiner Flugtauglichkeit im Kontext deiner Gesamtkrankengeschichte helfen.

Vorbereitung ist die halbe Miete: Was du tun kannst

Wenn du dich trotz leichter Symptome entscheidest zu fliegen, ist eine gute Vorbereitung das A und O. Beginne einige Tage vor dem Flug damit, deine Nase feucht zu halten. Nasenspülungen mit isotonischer Kochsalzlösung sind hierfür hervorragend geeignet. Sie helfen, die Schleimhäute zu befeuchten und Schleim zu lösen. Alternativ kannst du auf abschwellende Nasensprays zurückgreifen. Diese sollten jedoch nicht länger als 5-7 Tage angewendet werden, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden. Sprich im Zweifelsfall mit deinem Apotheker oder Arzt, welches Präparat für dich am besten geeignet ist. Oftmals sind Sprays auf Basis von Meerwasser oder Hyaluronsäure eine sanftere Alternative.

Kurz vor dem Start und während des Fluges, insbesondere bei der Landung, können abschwellende Nasensprays erneut hilfreich sein, um die Belüftung der Nebenhöhlen zu unterstützen. Achte aber darauf, diese nur nach Bedarf und gemäß der Packungsbeilage zu verwenden. Ein weiterer Tipp ist, während des gesamten Fluges viel Wasser zu trinken, um den Körper gut hydriert zu halten. Vermeide dehydrierende Getränke wie Alkohol und Koffein. Einige Experten, wie Dr. med. Carsten Gründemann, ein bekannter HNO-Arzt auf Plattformen wie aerzteblatt.de, betonen die Wichtigkeit der Befeuchtung der Schleimhäute.

Eine weitere, oft unterschätzte Maßnahme ist das Kauen von Kaugummi oder das Lutschen von Bonbons während des Starts und der Landung. Das regt den Speichelfluss an und fördert das Schlucken, was den Druckausgleich in den Ohren und indirekt auch in den Nasennebenhöhlen erleichtern kann. Auch das Valsalva-Manöver, bei dem man bei geschlossenem Mund und Nase sanft ausatmet, kann helfen, ist aber bei einer stark entzündeten Nase mit Vorsicht anzuwenden. Informiere dich gegebenenfalls über alternative Techniken, die im Netz von Fachleuten wie dem Team von HNO-Profis.de erklärt werden.

Was hilft während und nach dem Flug?

Während des Fluges solltest du versuchen, dich zu entspannen und Stress zu vermeiden. Stress kann das Immunsystem schwächen und Entzündungen verschlimmern. Nutze die Zeit für Ruhe, lies ein Buch oder höre entspannende Musik. Wenn du doch Schmerzen verspürst, können leichte Schmerzmittel, die du gegebenenfalls mit deinem Arzt abgesprochen hast, Linderung verschaffen. Achte auf eine gute Luftzirkulation um deinen Kopf und vermeide Zugluft.

Nach der Landung ist es wichtig, deinen Körper weiterhin gut zu versorgen. Trinke weiterhin ausreichend Wasser und vermeide anstrengende Aktivitäten, bis du dich wieder vollständig erholt hast. Achte auf deine Symptome und zögere nicht, bei Verschlimmerung oder anhaltenden Schmerzen einen Arzt aufzusuchen. Ein HNO-Arzt ist hier der richtige Ansprechpartner. Die medizinische Fachpublikation Leitlinie Rhinosinusitis der AWMF bietet detaillierte Informationen zur Behandlung von Nasennebenhöhlenentzündungen, die auch für Reisende relevant sein können.

Es ist auch ratsam, die Reiseroute gegebenenfalls anzupassen. Wenn du beispielsweise mit einem direkten Flug an dein Ziel kommst, vermeidest du zusätzliche Starts und Landungen, die eine Belastung darstellen könnten. Informiere dich über lokale medizinische Versorgungsmöglichkeiten an deinem Urlaubsort, falls du sie doch benötigten solltest. Viele Fluggesellschaften bieten auf ihren Websites Informationen zu medizinischen Vorkehrungen und Ratschläge für Passagiere mit gesundheitlichen Problemen. Manchmal finden sich auch hilfreiche Diskussionen und Erfahrungsberichte in Foren auf Social-Media-Plattformen wie Facebook-Gruppen für Reisende (auch wenn diese thematisch breiter sind, lassen sich oft wertvolle Tipps finden).

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Fliegen mit Nasennebenhöhlenentzündung

Kann ich mit einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung fliegen?

Bei einer akuten, symptomatischen Nasennebenhöhlenentzündung mit starken Schmerzen, Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl wird generell vom Fliegen abgeraten. Die Druckunterschiede während des Fluges können die Symptome erheblich verschlimmern und zu Komplikationen führen. Konsultiere in diesem Fall unbedingt einen Arzt und ziehe in Erwägung, deinen Flug zu verschieben.

Wie kann ich Flugschmerzen bei Sinusitis vorbeugen?

Zur Vorbeugung von Flugschmerzen bei leichten Symptomen einer Nasennebenhöhlenentzündung empfiehlt es sich, die Nase vor und während des Fluges gut zu befeuchten. Hierfür eignen sich Nasenspülungen mit Kochsalzlösung und bei Bedarf abschwellende Nasensprays (kurzzeitig und nach ärztlicher Absprache). Viel Wasser trinken und das Kauen von Kaugummi während Start und Landung können ebenfalls helfen.

Was tun, wenn ich während des Fluges starke Nebenhöhlenschmerzen bekomme?

Sollten während des Fluges starke Schmerzen auftreten, versuche, nicht zu schlucken oder zu gähnen (das kann den Druck verschlimmern), sondern sanft auszuatmen. Entspannungsübungen und das Trinken von Wasser können Linderung verschaffen. Bei anhaltenden oder unerträglichen Schmerzen ist es ratsam, nach der Landung umgehend einen Arzt aufzusuchen.