Niedriger Blutdruck in der Schwangerschaft: Wenn die Welt Kopf steht - Was wirklich hilft Ein positiver Schwangerschaftstest, und plötzlich spielt nicht nur die Gefühlswelt, sondern auch der eigene Körper verrückt. Während die meisten Frauen vor allem den hohen Blutdruck fürchten, ist es oft sein unscheinbarer Gegenspieler, der den Alltag zur Herausforderung macht: die Schwangerschafts-Hypotonie, also ein zu niedriger Blutdruck. Fühlen Sie sich oft, als würden Sie einen unfreiwilligen Tanz mit der Schwerkraft aufführen? Schwindel beim Aufstehen, bleierne Müdigkeit und das Gefühl, jeden Moment in Watte gepackt zu sein? Willkommen im Club! Die gute Nachricht vorweg: In den meisten Fällen ist das zwar lästig, aber völlig harmlos. Warum Ihr Kreislauf jetzt Tango tanzt: Die Ursachen für Hypotonie Ihr Körper vollbringt während der Schwangerschaft ein wahres Wunder - und das erfordert eine komplette Umstrukturierung. Die Hauptursache für den plötzlichen Blutdruckabfall ist die massive hormonelle Umstellung. Das Schwangerschaftshormon Progesteron sorgt unter anderem dafür, dass sich die Blutgefäße weiten. Das ist ein genialer Schachzug der Natur, denn so wird die wachsende Gebärmutter optimal mit Blut versorgt. Für Ihren restlichen Kreislauf bedeutet das aber: Der Druck im System sinkt, weil die "Rohre" plötzlich weiter sind. Das Blut "versackt" quasi in den Beinen, und Ihr Gehirn bekommt kurzzeitig weniger Sauerstoff. Das Resultat ist der klassische Schwindelanfall. Zusätzlich zu dieser Gefäßerweiterung steigt Ihr Blutvolumen im Laufe der Schwangerschaft um bis zu 50 %. Das klingt zunächst paradox, aber Ihr Herz-Kreislauf-System muss sich an diese neue Menge erst gewöhnen. Bis dieser Anpassungsprozess abgeschlossen ist, kann es ebenfalls zu einem relativen Druckabfall kommen. Vor allem im ersten und zweiten Trimester sind Kreislaufprobleme in der Schwangerschaft daher weit verbreitet. Meist stabilisiert sich der Blutdruck im letzten Drittel der Schwangerschaft von allein wieder, wenn der Körper die Balance gefunden hat. Die Versorgung des Babys hat für Ihren Organismus absolute Priorität. Das bedeutet, dass die Plazenta immer bestens durchblutet wird, selbst wenn es für Sie bedeutet, dass Sie sich einen Moment hinsetzen müssen, weil Ihnen schwarz vor Augen wird. Sehen Sie es als eine eingebaute Schutzfunktion für Ihr Kind. Nichtsdestotrotz sollten Sie die Symptome ernst nehmen, um Stürze zu vermeiden und Ihr eigenes Wohlbefinden zu steigern. Ein Gespräch mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Gynäkologen ist immer der erste richtige Schritt, um ernstere Ursachen auszuschließen und individuelle Tipps zu erhalten. So bringen Sie Ihren Kreislauf wieder in Schwung: Praktische Tipps, die sofort wirken Gegen die hormonellen Ursachen können Sie wenig tun, aber Sie können Ihrem Kreislauf tatkräftig unter die Arme greifen. Das A und O ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Trinken Sie mindestens 2 bis 3 Liter Wasser, ungesüßten Tee oder Saftschorlen über den Tag verteilt. Das erhöht das Blutvolumen und stabilisiert den Druck. Auch eine Prise mehr Salz im Essen kann helfen, denn Salz bindet Wasser im Körper. Ein Glas Gemüsebrühe oder ein paar Salzstangen können bei einem akuten Tief wahre Wunder wirken. Sprechen Sie eine erhöhte Salzzufuhr aber sicherheitshalber mit Ihrem Arzt ab. Bewegung ist Ihr bester Freund, auch wenn Ihnen eher nach Sofa zumute ist. Regelmäßige, sanfte Aktivität wie Spazierengehen, Schwimmen oder Schwangerschaftsyoga kurbelt den Kreislauf an und trainiert die Gefäße. Der wichtigste Alltags-Tipp: Stehen Sie niemals abrupt auf! Ob morgens aus dem Bett oder vom Stuhl - bewegen Sie sich langsam. Räkeln und strecken Sie sich im Bett, setzen Sie sich kurz auf die Bettkante und lassen Sie die Beine baumeln, bevor Sie aufstehen. Das gibt Ihrem Kreislauf die nötige Zeit, sich anzupassen. Zusätzlich gibt es bewährte Hausmittel, die Sie einfach in Ihren Alltag integrieren können. Hier eine kleine Auswahl an effektiven Helfern: Wechselduschen: Duschen Sie Ihre Beine am Ende kurz kalt von unten nach oben ab. Das verengt die Gefäße und pumpt das Blut zurück Richtung Herz. Kleine, häufige Mahlzeiten: Fünf bis sechs kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt halten den Blutzuckerspiegel stabil und beugen Kreislauftiefs nach üppigen Mahlzeiten vor. Kompressionsstrümpfe: Was nach Oma klingt, ist hochwirksam. Sie verhindern, dass das Blut in den Beinen versackt. Lassen Sie sich im Sanitätshaus beraten. Beine hochlegen: Wann immer es geht - legen Sie die Beine hoch, um den venösen Rückfluss zu unterstützen. Für weitere tiefgehende Informationen empfehlen wir die Ratgeber der Apotheken Umschau oder die Publikationen des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. (BVF). Auch bekannte Hebammen und Autorinnen wie Kareen Dannhauer bieten auf ihren Social-Media-Kanälen und in ihren Büchern wertvolle Tipps. Folgen Sie zum Beispiel dem Hashtag `hebammenwissen` auf Instagram für tägliche Inspiration. --- FAQ - Häufig gestellte Fragen Welcher Blutdruck ist in der Schwangerschaft zu niedrig? Als medizinischer Richtwert für einen zu niedrigen Blutdruck (Hypotonie) gelten Werte unter 100/60 mmHg. Entscheidender als der absolute Zahlenwert sind jedoch Ihre Symptome. Fühlen Sie sich trotz niedriger Werte fit, besteht in der Regel kein Handlungsbedarf. Wenn Sie jedoch unter starkem Schwindel, Müdigkeit oder Ohnmachtsneigung leiden, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen. Ist niedriger Blutdruck in der Schwangerschaft gefährlich für das Baby? In der Regel ist ein niedriger Blutdruck der Mutter für das ungeborene Kind nicht gefährlich. Der mütterliche Organismus ist darauf ausgelegt, die Versorgung des Babys über die Plazenta stets zu priorisieren. Die größte Gefahr für das Kind geht indirekt von Stürzen der Mutter infolge von Schwindel oder einer kurzen Ohnmacht aus. Daher ist es wichtig, die Symptome ernst zu nehmen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Was hilft schnell bei niedrigem Blutdruck in der Schwangerschaft? Wenn Sie merken, dass Ihnen schwindelig wird, setzen oder legen Sie sich sofort hin und lagern Sie die Beine hoch. Das befördert das Blut schnell zurück zum Gehirn. Trinken Sie ein großes Glas Wasser, idealerweise mit einer Prise Salz, oder essen Sie etwas Salziges wie eine Laugenbrezel. Auch ein starker Pfefferminztee oder ein paar Tropfen Rosmarinöl auf einem Taschentuch können den Kreislauf schnell wieder anregen.